Zu Fuss von Chur in den Ranft: Lieber Bruder Klaus

Lieber Bruder Klaus

Als erstes möchte ich dir nachträglich alles Gute zu deinem 600. Geburtstag wünschen. Ein paar Monate zu spät, ich weiss, aber das stört dich hoffentlich nach 600 Jahren nicht all zu sehr. Schön, dass die Menschen 600 Jahre nach deiner Geburt noch von dir reden. Von deinem Leben. Von deinem Wirken. Von deiner Weisheit. In der Schweiz ist dieses Jahr wegen deinem runden Geburtstag ganz schön was los. Viele feiern dich. Veranstalten Anlässe. Organisieren Aktivitäten. Führen Theater mit deiner Geschichte auf. Denken an den zahlreichen Gedenkgottesdienst ganz fest an dich. Andere wiederum nutzen das Jahr, um zu einem Rundumschlag gegen dich auszuholen. Sie stossen sich vor allem an der Tatsache, dass du Frau und Kind verlassen hast. Sie reden von Burnout. Depression. Vermischen heute mit damals. Aber das geht nicht. Da würdest du mir sicher auch beipflichten. Oft habe ich in diesem Jahr an dich gedacht. Habe mir überlegt, was du wohl von diesem grossen Jubiläumsjahr halten würdest. Ich bin (noch) zu keiner Antwort gekommen.

Auch ich habe ein Projekt deinetwegen ins Lebens gerufen. 600 Jahre Bruder Klaus in Graubünden (Ja, auch im Kanton Graubünden kennen sie dich. Hier nennen sie dich Fra Clau da Flia. Die Geschichte aber sind dieselben. Zum Glück.). Letzte Woche zum Beispiel bin ich mit meinem besten Freund zu Fuss von Chur in den Ranft gepilgert.Was für eine wundervolle Woche. Zu Beginn hat es zwar geregnet, aber wir liessen uns davon nicht entmutigen. Gingen beharrlich unseren Wege. Wie du es getan hast. Wir durften herrliche Wege passieren, herzensgute und gastfreundliche Menschen kennenlernen, mit anderem Menschen gemeinsam unterwegs sein. Uns wurde bewusst, wie gut die Menschen sind. Wie sie anderen Menschen helfen und ihre Türen für andere öffnen. In unserem Fall Menschen in Trin-Digg, Falera, Breil/Brigels, Disentis, Attinghausen, Engelberg und St. Niklausen. Auch du hattest viele Menschen, die dich unterstützt haben. Vor allem deine Familie. Deine Kinder. Deine Frau Dorothea. Ohne sie, ohne ihr Ja zu dir konntest du dein Ja zu Gott nicht leben. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute, 600 Jahre nach deiner Geburt, noch von dir sprechen. Du warst von anderen Menschen abhängig. Genau wie wir auf der Pilgerreise. Zum Glück gab es die Menschen vor 600 Jahren und zum Glück gibt es solche Menschen noch heute.

Du hast deine Pilgerreise nach wenigen Tagen abgebrochen. Wir hatten das Glück, dass wir unser Ziel nach 8 Tagen erreicht haben. Wir durften am 9. September 2017 am Morgen von St. Niklausen in den Ranft laufen. Zu dir. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl, nach einem langen Weg im Ranft angekommen zu sein. So in etwa musst du dich gefühlt haben, als du – nach 2 Jahren des Zweifelns, des Hadern und der Auseinandersetzung mit dir und Gott – endlich im Ranft angekommen bist. Ich fühlte mich auf irgendeine Art mit dir verbunden. Auch wenn uns 600 Jahre trennen. Vielen Dank. Vielen Dank für deine Beharrlichkeit. Für deine nie endende Suche nach Gott. Für dein Wirken. Für deine Weisheit. Vielen Dank für 600 Jahre Bruder Klaus. Vielen Dank, dass du mir die Möglichkeit gegeben  hast, mit meinem besten Freund zu Fuss von Chur in den Ranft zu pilgern.

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